Regel und Leben des Hl. Benedikt

Die Statue des Hl. Benedikt in der Abteikirche.
Die Statue des Hl. Benedikt in der Abteikirche.

Die Benediktusregel

Die Benediktusregel, auch Regula Benedicti (=RB) ist für Mönche geschrieben worden, also für Personen, die tatsächlich in einem klösterlichen Umfeld zusammenleben. Ziel ist es, den Menschen nach der Hl. Schrift, vor allem nach den Seligpreisungen in Mt 5,1-12 zu formen. Deshalb fasst die RB die wichtigsten Schlüsselpunkte der Hl. Schrift zusammen und zitiert sie sehr häufig. Prototyp eines jeden Mönches und einer jeden Nonne ist Christus. In unserem zölibatären Leben können wir uns voll und ganz für die kirchliche Gemeinschaft engagieren, für die die Apostelgeschichte Modellvorstellungen bietet, beispielsweise Apg 2,44ff.:

44 Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. 45 Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. 46 Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, 〈...〉 und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. 47 Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.

Natürlich kann die RB heute nicht mehr genauso eingehalten werden wie zur Zeit des Hl. Benedikts (z.B. sind die Dienste eines Bruders, der die Kerzen hält und trägt durch das elektrische Licht obsolet geworden) und sollte durch die klösterliche Gemeinschaft die passende Umsetzung erfahren. Jede Interpretation oder Aktualisierung muss jedoch immer von dem der RB zugrunde liegenden biblischen Leitbild ausgehen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Wenn du wissen möchtest, wie bei uns die RB gelebt wird, dann „komm und sieh!“ (Joh 1,46)

Das Leben des Hl. Benedikt

Benedikt von Nursia wurde ca. 480 in Nursia bei Perugia geboren und starb am 21. März 547 auf dem Monte Cassino. Er gehört zu den großen Heiligen der Kirche und zu den bedeutendsten Männern der Geschichte. Für sein Leben gibt es jedoch nur eine Quelle: Die Vita Benedicti von Papst Gregor dem Großen (Ende 6. Jh.). Er beruft sich dabei auf die Berichte von vier Augenzeugen, die er persönlich kannte und die Schüler Benedikts gewesen waren:

Benedikt wurde von seinen begüterten Eltern zum Studium nach Rom geschickt. Auf Gottes Ruf hin und von der Sittenlosigkeit der Großstadt enttäuscht, zog er sich in die Einsamkeit zurück. Er lebte drei Jahre in einer Höhle bei Subiaco östlich von Rom.
Man wurde auf ihn aufmerksam und die Mönche von Vicovaro baten ihn, ihr Abt zu werden. Deren unchristliches Leben konnte er jedoch nicht zum Besseren verändern – im Gegenteil: Die Mönche versuchten ihren unbequemen Abt mit vergiftetem Wein umzubringen.
Daraufhin kehrte Benedikt wieder in das Tal von Subiaco zurück und gründete dort das Kloster San Clemente sowie weitere, kleine Klöster. Der Überlieferung nach sollen ihn die Intrigen eines Priesters von dort wieder vertrieben haben, was ihn nach Monte Cassino führte. Dort führte er selbst die Gemeinschaft und vollendete seine berühmte "Regula Benedicti", die die Grundlage des abendländischen Mönchtums wurde.
Am 21. März 547 stirbt der Hl. Benedikt in Monte Cassino. "Er ließ sich in die Kirche tragen, und die schwachen Glieder auf die Hände seiner Jünger gestützt, stand er da - die Hände zum Himmel erhoben - und hauchte unter Gebetsworten seinen Geist aus." (Gregor der Große)

Hier haben wir die Lieblingsstellen unserer Schwestern aus der RB gesammelt:

  • RB 53, 1-2: Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen." Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern.
  • RB 20,3: Wir sollen wissen, dass wir nicht erhört werden, wenn wir viele Worte machen, sondern wenn wir in der Lauterkeit des Herzens und mit Tränen der Reue beten.
  • RB 72, 1-2: Wie es einen bitteren und bösen Eifer gibt, der von Gott trennt und zur Hölle führt, so gibt es den guten Eifer, der von den Sünden trennt, zu Gott und zum ewigen Leben führt.
  • RB 6,5: Tod und Leben stehen in der Macht der Zunge.
  • RB 4, 51-52: Seinen Mund vor bösem und verkehrtem Reden hüten. Das viele Reden nicht lieben.
  • RB 27,6: Er (der Abt) sei sich bewusst, dass er die Sorge für gebrechliche Menschen übernommen hat, nicht die Gewaltherrschaft über gesunde.
  • RB 72,7: Keiner soll dem, was er für sich als nützlich erachtet folgen, sondern dem, was mehr dem andern nützt.
  • RB 72,5: Ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen.
  • RB 2,20: Denn ob Sklave oder Freier, in Christus sind wir alle eins (...) denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person.
  • RB Prol 44: Jetzt müssen wir laufen und tun, was uns für die Ewigkeit nützt.
  • RB Prol 1: Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr des Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat.
  • RB 63, 15;17: Wo immer Brüder einander begegnen, bittet der Jüngere den Älteren um den Segen. Kommt ein Älterer, steht der Jüngere auf und bietet ihm den Platz zum Sitzen an.
  • RB 7, 60-61: Die elfte Stufe der Demut: Der Mönch spricht, wenn er redet, ruhig und ohne Gelächter, demütig und mit Würde wenige und vernünftige Worte und macht kein Geschrei, da geschrieben steht: "Den Weisen erkennt man an den wenigen Worten."
  • RB 4, 39-41: Nicht murren, nicht verleumden. Seine Hoffnung Gott anvertrauen.
  • RB 4, 70-72: Die Älteren ehren, die Jüngeren lieben. In der Liebe Christi für die Feinde beten.